Willst du gern nach Tokio gehen, musst du den japanischen Bahnverkehr verstehen!

Ja, so ist es wirklich, wobei letzteres fast ein Ding der Unmöglichkeit ist, zumindest für Fremde. Was die Reise mit der Bahn betrifft, ist in Japan nämlich vieles sehr viel anders als in Deutschland. So sind in Japan die Züge pünktlich, man stellt sich beim Schnellzug (Shinkansen) artig auf eine auf dem Bahnsteig vorgezeichnete Linie, damit das Einsteigen geregelt ablaufen kann und auch die Fahrten an sich waren bisher alle angenehm. Die Schattenseite davon ist, dass die Tickets sehr teuer sind, es gefühlte 100 verschiedene Bahnlinien und -gesellschaften gibt und man manchmal gar nicht weiß, welches Ticket man denn nun in den Automaten stecken soll, um zum Bahnsteig zu gelangen. Auf diesen Punkt werde ich noch einmal zurückkommen, nun widme ich mich aber erst einmal unserem Besuch der größten Metropolregion der Welt: Tokio!

 

Nachdem Jupp und ich in aller Herrgottsfrühe aufgestanden waren und schließlich in dem richtigen Zug saßen, mussten wir eine gute Stunde von Narita bis nach Shibuya, dem Einkaufs- und Amüsierviertel Tokios fahren. Wir befürchteten im Vorfeld den größten Kulturschock unseres Lebens zu bekommen, vor lauter Reklametafeln und Menschen von Panikattacken heimgesucht zu werden und schließlich wegen der Fülle an Sinneseinflüssen schielend und mit Schaum vor dem Mund zusammenzubrechen. Und, ist das wirklich eingetreten? Nein, so dramatisch war es bei weitem nicht, denn neben der Tatsache, dass ich keinen (fühlbaren) Jetlag habe, so hatte ich bisher auch noch keinerlei „Kulturschock“ - auch nicht in Tokio. Das mag daran liegen, dass wir die Hauptstadt Japans an einem Sonntag besuchten und es deshalb verhältnismäßig entspannt war (näheres könnt ihr in meinen Videos von der berühmten Kreuzung in Shibuya sehen). So schlenderten wir erst einmal etwas durch die Straßen, begutachteten die zahlreichen und bunten Werbetafeln und ließen uns von der Geräuschkulisse berieseln. Da ich an Videospiel-Hallen genauso wenig vorbeigehen wie Jupp auf Zigaretten verzichten kann, haben ich eine Partie „Winning Eleven '10“ (in Deutschland als „Pro Evolution Soccer“ bekannt) gespielt.

Von Shibuya aus gingen wir weiter in Richtung eines großen Parks in Tokio. Wenn man mitten in diesem Park steht, überkommt einen wirklich ein seltsames Gefühl, denn auf einmal ist es ganz ruhig, beschaulich, natürlich – eine Oase mitten in der Metropole! Besonders weil Sonntag war, sah man überall Familien, die sich von der stressigen Woche entspannten, Väter, die mit ihren Söhnen spielten und Frauen, die ihre frisch gestylten Schoßhündchen fotografierten. Ich gönnte mir in diesem Ambiente zwei leckere Hackfleischbällchen am Spieß (ich weiß noch nicht, wie das genau heißt) und „korokke“, der Krokette sehr ähnlich nur viel leckerer, Basti kann das nur bestätigen! :)

 

Nach dieser Stärkung gingen wir weiter zu dem Stadtviertel „Shinjuku“, welches eher ein Geschäftsviertel mit einigen Wolkenkratzern ist. Ziel war das „Tokyo Tocho“, das Rathaus von Tokio. Das Gebäude ist so riesig, dass man auch ohne Stadtplan problemlos dorthin findet. Vom 45. Stockwerk aus hat man einen herrlichen Ausblick auf die Metropole: Gebäude bis an den Horizont. Das war wirklich sehr beeindruckend, sodass ich begeistert jede Menge Fotos knipste. Der Rückweg stellte dank meines doch recht ordentlichen Orientierungssinns, auf den sich Jupp einfach verließ, auch keine Hürde da. Ein viel größeres Problem warf folgende Frage auf: wo wollen wir was essen? Das war in der Tat nicht so einfach, denn zwar gibt es jede Menge Restaurants in Tokio, aber entweder sind die viel zu teuer, oder nicht nach Jupps Geschmack. So entstand eine schier endlose Odyssee, infolge welcher wir mal vor einem japanischen Restaurant, mal vor einer Burger-Schmiede standen. Letztendlich kauften wir uns in einem kleinen Supermarkt Sushi – oh was für eine Farce!^^ Bei Nacht entfaltete Shibuya mit seinen hellen Reklametafeln dann doch noch etwas mehr Flair, anhand der Videos könnt ihr das ja mal vergleichen.

 

Schließlich machten wir uns auf den Rückweg bzw. wir wollten uns auf den Rückweg machen. Doch in Japan reserviert man für den Zug meistens die Plätze und für die Rückfahrt mussten wir eben dies noch tun. Dies ist allerdings nicht an allen Automaten möglich, sondern nur an ganz bestimmten (wegen der vielen verschiedenen Bahngesellschaften). Ein Angestellter (der natürlich so gut wie gar nicht der englischen Sprache mächtig) antwortete mir auf die Frage, wo denn der betreffende Automat sei, nur ein „Mmmmh!“ samt eines Kopfnickens in eine Richtung – aha, alles klar... Ein anderer Mitarbeiter lotste uns dann doch noch zu den benötigten Automaten, welche ganz versteckt in einer Ecke des Bahnhofs standen, also geradezu todsicher zu finden waren. Nachdem wir unsere Plätze reserviert hatten, bekamen wir zwei Fahrkarten. „Zwei Fahrkarten für eine Fahrt?“ werdet ihr euch nun fragen, genau das fragten wir uns auch. Wir grübelten etwas, welche den nun die richtige sei, um durch die Schranke zu kommen. Als Jupp die eine reinsteckte, wurde er nicht durchgelassen, mit der anderen aber schon. Ich hingegen wurden mit dem einen Ticket sofort durchgelassen (obwohl dann doch noch ein rotes Licht aufleuchtete). Wer hat es nun also richtig, wer gemacht? Die Antwort: keiner! Denn man muss beide Tickets gleichzeitig in den Schlitz stecken – verrückt! Dies wird uns aber sicherlich nicht davon abhalten, Tokio im Laufe unseres Auslandssemesters einen weiteren Besuch abzustatten.

So endet mein Beitrag so, wie er angefangenen hat, nämlich mit dem kuriosen Bahnsystem in Japan. Vielleicht bringen wir, wenn wir einen besseren Durchblick haben, mal einen Ratgeber dazu raus und machen dann damit den großen Reibach! Titel: „Zugfahren in Japan, der absolute Bahnsinn!“

 

In diesem Sinne: bleibt gesund und munter!

Tris

 

PS: Basti, ich habe leider noch keinen Schlüpferautomaten für dich finden können, aber wenn ich einen sehe, sage ich dir Bescheid! ;)

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Kommentare: 1
  • #1

    Kevin (Sonntag, 03 Oktober 2010 11:25)

    Soso... im letzten Video war irgendjemand schon "letztes Jahr mit ganz vielen Kindern da"....
    Scheint ja nicht so schwer da nochmal einem Deutschen zu begegnen ;)