Der Wahnsinn des Alltags

Die Mülltrennungs-Nashörner machen mich verrückt!
Die Mülltrennungs-Nashörner machen mich verrückt!

Endlich ein neuer Blog-Eintrag, das Warten hat ein Ende! Doch woran lag es? Habe ich hier so viele Abenteuer erlebt, dass ich keine Zeit hatte? Auch wenn Japan an sich natürlich ein großes Abenteuer ist, so ist seit meinem letzten Bericht doch insgesamt recht wenig passiert, was das Prädikat „spektakulär“ verdient hätte. Das ist auch nicht im Geringsten negativ aufzufassen, es ist viel mehr ein Zeichen, dass sich nach der turbulenten Anfangsphase nun doch langsam so etwas wie Alltag einstellt.

 

Die letzten organisatorischen Hürden sind mittlerweile (fast) alle genommen und es war wahrlich ein bürokratischer Marathon: von der Handy-Odyssee zum Kurs-Labyrinth über die Arbeitsgenehmigungsantrags-ausfüll-Prüfung bis hin zum Mülltrennungs-Wahnsinn. Gerade letzterer ist mir als bekennender Verweigerer der Mülltrennung ein Dorn im Auge, denn die Japaner übertreiben es in dieser Hinsicht wirklich. So wird einem doch tatsächlich in einer ca. 30 Seiten starken Enzyklopädie von einer Nashorn-Familie erklärt, wie man als anständiger Bürger bzw. Ausländer den Müll zu trennen habe. Doch wenngleich ich nun tatsächlich so gut es geht versuche, den Müll zu trennen, bleibe ich dennoch nicht von der Psycho-Müllabfuhr verschont! Jeden Samstagmorgen, einem Tag, an dem ich endlich mal ausschlafen könnte (ich betone KÖNNTE!) hält dieser verdammte Müllwagen in meiner Straße – auch gerne mal direkt vor meinem Fenster – und spielt so eine unfassbar verrückte Dudeldidu-Kindermusik, dass ich durchaus Angst habe, im nächsten Moment könne Stephen Kings Horror-Clown aus „Es“die Tür meiner Wohnung eintreten, mich mit seinen Krallen schnappen und schließlich in die Kanalisation verschleppen, immer mit dem Satz auf seinen Lippen „Tristan, du hast deinen Müll nicht ordentlich getrennt, da war noch Folie an der Pappe!“.

 

Davon abgesehen habe ich nun endlich meinen Stundenplan zusammen und was soll ich sagen, es droht ordentlich Arbeit auf mich zuzukommen: 4x die Woche Japanisch (immer schön um 8:30, danke!), vier mehr oder minder interessante Seminare, dazu zwei Deutsch-Tutorien sowie die ein oder andere Veranstaltung, in welcher ich mich mal blicken lassen muss, um den japanischen Studenten einen etwaigen Aufenthalt an der Uni Bielefeld schmackhaft zu machen. Zudem dürfte ich nach ein paar Monaten an der Uni bekannt wie ein bunter Hund sein, da es hier wirklich sehr wenige europäische Gesichter gibt. Immerhin sind noch zwei weitere Deutsche aus Münster hier, einer von ihnen kommt sogar aus Bielefeld – die Welt, ein Dorf!

 

Das klare Highlight der letzten Tage war aber definitiv endlich mal wieder Fußball zu spielen! Durch Ikuko habe ich einer Gruppe von Japanern beitreten können, die leider nicht wöchentlich, sondern nur monatlich spielen (nach einer Uni-Fußballgruppe suche ich bisher noch vergeblich). Ich war wirklich sehr gespannt und kann nur sagen, dass alle wieder sehr sympathisch waren! Der eine Japaner hat es mir nicht einmal übel genommen, dass ich anstatt das Tor, seine Kronjuwelen getroffen habe und er erstmal ausgewechselt werden musste – so sind sie die Japaner! ;) Es tat mir aber auch wirklich Leid und so habe ich mich dementsprechend auch 1000x entschuldigt. Zum Glück gab es aber auch noch erfolgreichere Torabschlüsse, sodass ich auf insgesamt vier Tore und zwei Vorlagen kam, was mir bei den Jungs sogleich den Spitznamen „Fernando Torris“ einbrachte (wohl zum einen, weil die Japaner total auf spanische Fußballer abgehen und zum anderen „Tris“ wie „Turis“ aussprechen). Mein sportlicher Einstand kann also durchaus als gelungen bezeichnet werden und ich hoffe, dass ich bald wieder zaubern kann! :-)

 

Zu guter Letzt kann ich noch von einem kleinen Uni-Festival berichten, das wir am Wochenende besuchten. Es gab zahlreiche Stände, an denen leckere japanisch, chinesische usw. Speisen zubereitet wurden. Außerdem wurden auf einer Bühne zahlreiche Show-Acts präsentierte, so z.B. eine Miss-Wahl, Acapella-Beatbox-Gruppen sowie Tanzensembles – wahrlich nicht schlecht Herr Specht! Zudem besuchten wir eine kleine Fashion-Show, wo u.a. eine unserer Tutorinnen, Hanako, als Model auftrat, sozusagen die „Niigata Fashion Week“. Ich war übrigens neben „Calle“ aka. Jupp noch mit Christopher, dem anderen Deutschen, sowie Summer, einer Chinesin, unterwegs. Bildet sich da eine „Gang“? Abwarten!

 

Das soll es für heute gewesen sein! Demnächst wollen Jupp, Christopher und ich das beste japanische Bier prämieren und in zwei Wochen geht es zu einer Exkursion nach Nagano. Bis dahin heißt es aber erstmal lernen, pauken, studieren – das Leben in Japan ist eben kein Urlaub auf dem Ponyhof! Vielleicht gibt es demnächst auf meinem Blog noch einen Überraschungseintrag, man munkelt und die Gerüchteküche brodelt.

 

Bis dahin passt gut auf euch auf!

 

Greetz,

Tris

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